Virtual Exhibition: Night and Day

2 09 2010

Von der Romantic Comedy bis zum Actionthriller: In den wenigsten Hollywood-Filmen fehlt er, der Blick auf das Lichtermeer einer Stadt. Es übt eine besondere Faszination aus, die Weite einer urbanen Ansiedlung reduziert auf ein helles Blitzen und Blinken von Lichtern im Dunkeln vor sich ausgestreckt zu sehen. Die Ausmaße urbaner Ansiedlungen scheinen sich ins Unendliche zu dehnen, während die architektonischen Strukturen selbst nur schemenhaft auszumachen sind. Stadt wird zum abstrakten Lichterspiel.

Verschiedene Künstler und Künstlerinnen beschäftigen sich mit Architektur im Dunklen, in der Nacht. Eine Thematik, die vor allem den Fotografen technisch einiges abverlangt – die Verschlusszeiten sind länger, Licht und Farben in der Dunkelheit in Griff zu bekommen ist anspruchsvoll -, die aber gerade hier besonders ausdrucksstarke Inhalte transportiert. In der Nacht sind eben nicht alle Katzen grau, sondern es lassen sich manche überraschende Beobachtungen anstellen und vielschichtige Einsichten gewinnen, die in der Hektitk des Tageslicht verloren gehen.

Romantic comedy or action thriller: hardly any hollywood movie lacks it, the view from above on the sea of lights of a nightly city. It is fascinating to see the vastness of urban settlements reduced on bright blinking and sparkling in the dark. They seem to extend infinitely, while the actual urban architectures can only be seen dimly. City becomes an abstract “play of lights”.

Several artists focus on the subject of architecture at night, which is very demanding to photographers in particular. Yet it also offers the possibility of very expressive takes: they make surprising observations and gain multifaceted insights which are easily overlooked during the hectic daylight.

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Juliane Eirich, Supermarket, Korea Diary, 2007/08

Juliane Eirich, Supermarket, Korea Diary, 2007/08 © J. E.

Juliane Eirich, Ship, Korea Diary, 2007/08

Juliane Eirich, Ship, Korea Diary, 2007/08 © J. E.

Die Fotografien von Juliane Eirich fangen die spezielle Aura von Orten nachts ein. Dabei geht es Eirich jedoch nicht um die Effekte des nächtlichen Hell-Dunkel-Spiels barocker Darstellungen bei Kerzenlicht, sondern vielmehr um die unverfälschte, klare Perspektive des außenstehenden Beobachters. Mit distanziertem Blick zeigen ihre Nachtaufnahmen meist menschenleeren Aufnahmen, die dem Betrachter die Möglichkeit bieten, dem lauten und immer hektischer werdenden Alltag zu entfliehen.

In einem technisch aufwendigen und langwierigen Prozess fängt Eirich ihre Motive ein. “Diese Orte scheinen mir wie ein Schauspiel, das keine Zuschauer sucht. …mir gefällt, dass sie normalerweise nicht viel Aufmerksamkeit bekommen, vor allem nicht nachts”, sagt sie.

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Matthias Haun, Wellblechhaus 1, Tokyo 2006 ©

Matthias Haun, Wellblechhaus 2, Tokyo 2006 ©

Matthias Hauns 2006 begonnene Serie Contemporary Fine Daydreams zeigt die ungesehenen, alltäglichen Seiten von Metropolen wie Paris, Tokyo, L.A., Nagasaki. Seine Bilder rücken das Unscheinbaren in den Blick und “verhelfen” ihm dazu, neben dem Stereotypen zu bestehen.

“Obwohl Hauns Motive die großen Städte der Welt sind, deren mediales Bild teilweise schon bis zum Überdruss veröffentlicht ist, präsentiert er einen ganz anderen Blick auf diese Städte. Seine Digital-Aufnahmen gehorchen gerade nicht den gängigen touristischen Sehmustern – und statt den Aufnahmen digital mehr Schärfe, Kontrast und knalligere Farben zu verleihen, nutzt er die digitalen Möglichkeiten vor allem, um Silhouetten zu verbergen und Ansichten zu fragmentieren. Digital nachbearbeitet wird nicht zur Korrektur der Aufnahmen, sondern zur malerischen Intervention ins Bild.”

(Info aus einem Text von Benno Schirrmeister, Webseite Matthias Haun)

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"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 ©Ruben Brulat

"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 © Ruben Brulat

"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 ©Ruben Brulat

"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 © Ruben Brulat

Der französische Fotograf Ruben Brulat setzt seinen Körper ein, um die Beziehung des Einzelnen zur Welt zu zeigen, seine Schutzlosigkeit, seine Unschuld, seine Macht – er fotografiert sich selbst nackt und bei Nacht vor und mit urbanen Gebäuden. Er geht dabei nach einem genau konzipierten Drehbuch vor.

Sein Körper wird zur Eigenprojektion im großen Ganzen, nimmt Besitz von der Architektur der Häuser, tritt in Wechselwirkung zur Umwelt, sein Ich tritt in eine Symbiose ein mit der ihn umgebenden (Stadt-)Landschaft.

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Untitled 1862, 1996 © Todd Hido Courtesy Kaune, Sudendorf Gallery, Cologne

Untitled 1862, 1996 © Todd Hido Courtesy Kaune, Sudendorf Gallery, Cologne

Untitled 2611-a, 2000 C-Print 75 x 95,5 cm © Todd Hido Courtesy Kaune, Sudendorf Gallery, Cologne

Untitled 2611-a, 2000 C-Print 75 x 95,5 cm © Todd Hido Courtesy Kaune, Sudendorf Gallery, Cologne

Todd Hido ist vor allem für seine Nacht-Fotografien bekannt, in denen er menschenleere Vororte und Straßenränder dokumentiert. Seine Inspiration findet er vor allem in der Vergangenheit, Momentaufnahmen seiner Kindheit – etwa die Atmosphäre des amerikanischen Vororts, in dem er aufwuchs. In seiner Serie “House Hunting” hat der Fotograf Außenfassaden in Häusersiedlungen aufgenommen, deren beleuchtete Fensterscheiben ihre Bewohntheit signalisieren – dennoch wirken sie befremdlich und verlassen.

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“Die fundamentale Eigenschaft der Fotografie, das Anhalten der Zeit, hat für mich nichts von ihrer Faszination verloren.” Interview mit Johannes Twielemeier

21 08 2010

Es ist eine ungewöhnliche Verbindung künstlerischer Ausdrucksmittel, die Johannes Twielemeiers Arbeit prägt: Der gelernte Steinmetz arbeitet nicht nur mit Stein, sondern auch als Fotograf. Den Fotografen Twielemeier beschäftigen die Spuren, die von Menschen in Zeit und Raum hinterlassen werden, die Bruchstellen im urbanen Raum, die sich vor allem und immer wieder in architektonischen Zeugnissen aufspüren lassen.

Seine Fotoserien tragen Titel wie Krematorien, Orte ohne Wiederkehr oder Niemandsland und zeigen stille, meist menschenleere Szenen, die erst auf den zweiten Blick komplexe Zusammenhänge offenbaren. Sylvia Böhmer vergleicht Twielemeiers Arbeitsweise mit „der eines Archäologen oder Entdeckers auf fremdem Terrain, bemüht Spuren einstigen Lebens zu sichern, ohne diese Chiffren und Zeichen einem finalen Plan zu unterwerfen.“

Plakatsäule, Otzenrath, Jan. 2006

Plakatsäule, Otzenrath, Jan. 2006 (aus: Orte ohne Wiederkehr)

Für seine Serie Orte ohne Wiederkehr etwa hat der Künstler die Spuren einer enormen Umsiedlungsaktion mitten in Deutschland festgehalten: Seit 1984 wird das Braunkohletagebaugebiet Garzweiler zwischen Aachen und Düsseldorf erweitert. Bis zum Jahr 2040 wird auf einer Gesamtfläche von ca. 120 Quadratkilometern eines der größten Braunkohletagebaugebiete Europas entstehen – für das über 7500 Menschen in 13 Ortschaften umgesiedelt werden. Eine ganze Region wird in eine Geisterlandschaft aus leerstehenden Häusern und verwaisten Straßen verwandelt. Twielemeiers Fotografien, die von 2002 bis 2009 entstanden, zeigen Szenen dieser vom Verschwinden bedrohten Region.

Orte ohne Wiederkehr ist zur Zeit im Museum für Sepulkralkultur in Kassel zu sehen.

Johannes Twielemeier – Orte ohne Wiederkehr

Museum für Sepulkralkultur, Kassel

13. Mai – 5. September 2010

Abb.:  © Johannes Twielemeier

INTERVIEW

Johannes Twielemeier, Ihre Fotoserien heißen Krematorien, Orte ohne Wiederkehr, Niemandsland und kreisen um Themen wie Vergänglichkeit, Tod, Zerstörung, Leere – zumindest assoziiert man dies mit den Titeln. Was ist das besondere Interesse Ihrer Fotografien?

Eingang, Krematorium Aachen

Eingang, Krematorium Aachen (aus: Krematorien)

Seit Jahren interessieren mich Orte, die, aus verschiedenen Gründen, von ihren Bewohnern verlassen wurden. Mich interessieren die Spuren, die Menschen dabei zurücklassen und ich mag die Magie, die Räume dieser Art entfalten können. Mir gefällt diese nutzlose, verbrauchte Architektur, die, auf sich selbst zurückgeworfen, ein Eigenleben entwickelt.

Im Fall des Krematorium-Projekts fand ich es sehr spannend, einen Blick in Räume zu werfen, die normalerweise nicht ohne Weiteres zugänglich sind. Da musste ich auch viel Überzeugungsarbeit leisten, um zu meinen Bildern zu kommen und war am Ende sprachlos über die Beschaffenheit der Räume, die ich zu Gesicht bekommen hatte.

Diese Spuren zeigen sich in Ihren Fotografien vor allem auch als Spuren von architektonischen Elementen. Woher kommt dieser Fokus auf die Architektur?

Gaststätte (aus: Niemandsland )

Als Fotograf interessieren mich Gebäude / Bauwerke vor allem dann, wenn die Zeit nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen ist. Ich richte meinen Blick auch eher auf eine Architektur, bei der die Zweckmäßigkeit im Vordergrund steht und nicht die Ästhetik. Deshalb bin ich sehr gerne in Industriegebieten unterwegs, ich mag die Bruchstellen, die man hier finden kann, am Rand von großen oder kleinen Städten …

Wo und wie finden Sie Ihre Motive?

Ich bewege mich mit meinen fotografischen Arbeiten in der Dokumentarfotografie, aber ich hoffe doch, das meine Arbeiten über das rein Dokumentarische hinausgehen. Das große Thema, das sich seit Jahren durch meine Fotoarbeiten zieht, ist das unaufhaltsame Fließen der Zeit und das war schon in meinen allerersten Fotografien so. Das hat sich natürlich im Lauf der Jahre um andere Aspekte erweitert, aber die fundamentale Eigenschaft der Fotografie, das Anhalten der Zeit, hat für mich nichts von ihrer Faszination verloren.

Fenster, Inden, Aug. 2002

Fenster, Inden, Aug. 2002 (aus: Orte ohne Wiederkehr)

Als ich vor Jahren mit dem Thema Krematorien in Deutschland begonnen habe, hat mich die Banalität und Zweckmäßigkeit dieser Räume angeregt, mich näher damit zu befassen, aber eigentlich bin ich in das erste Krematorium gefahren, um für meine Examensarbeit, eine Urne aus Stein, zu recherchieren, und daraus hat sich dann das Fotoprojekt entwickelt. Das Orte ohne Wiederkehr-Thema liegt fast vor meiner Haustür im Rheinland, auch deshalb konnte ich über einen Zeitraum von sieben Jahren immer wieder dort arbeiten.

Zur Zeit recherchiere ich für ein neues Projekt in Italien, darauf bin ich durch einen Beitrag im Radio aufmerksam geworden. So wie es aussieht, werde ich dieses Projekt mit einer selbstgebauten Camera obscura fotografieren, darauf freue ich mich besonders – back to the roots, sozusagen. Aber es gibt immer auch noch Tage, da nehme ich mir eine Kamera und flaniere ziellos durch eine Stadt oder einen Ort, an dem ich zufällig gerade bin, und lasse mich treiben, und wenn ich viel Glück habe, dann finden mich auch meine Motive, ohne dass ich nach ihnen suchen muss.

Vielleicht wollen Sie die ein oder andere Arbeit näher vorstellen?

Da würde ich sehr gerne zwei Foto-Projekte vorstellen:

Garten, Spenrath, Mai 2006

Garten, Spenrath, Mai 2006 (aus: Orte ohne Wiederkehr)

Zum einen meine aktuelle Orte ohne Wiederkehr-Serie, an der ich von 2002 bis 2009 gearbeitet habe und die gerade im Museum für Sepulkralkultur in Kassel gezeigt wird. Ich habe zum ersten Mal über einen so langen Zeitraum an einer Sache gearbeitet, aber die ganze Dimension dieser Abriss- und Umsiedlungsaktion im Braunkohletagebau Garzweiler ist ja auch immens: Ende der 1980er Jahre wurde damit begonnen und in ca. 15 Jahren werden 13 Ortschaften in einer dann über 120 Quadratkilometer großen Braunkohlegrube für immer verschwunden sein. Fast 8.000 Bewohner verlieren Haus und Hof und werden „umgesiedelt“, was ein sehr harmloses Wort für den totalen Verlust ihrer Heimat ist. Ich habe mich irgendwann auf eine absurde Art „zu Hause“ gefühlt in dieser Geisterlandschaft aus verlassenen Häusern und verwaisten Straßen und habe mich regelrecht an den Themen, die mich ja seit Jahren fotografisch interessieren, abgearbeitet. Das hat aber auch dazu geführt, das ich nach der Beendigung dieses Projektes das Gefühl hatte, mit dieser Art der Fotografie erst mal an einem Endpunkt angekommen zu sein. Das haben mir jetzt auch die Vorbereitungen zu der Ausstellung bestätigt. Allerdings fühle ich mich in dem Museum für Sepulkralkultur in Kassel sehr gut aufgehoben mit meiner Arbeit. Neben den Fotografien zeige ich auch eine Steinarbeit, die parallel zu den Fotos entstanden ist. Ein Museum, in dem alles zum Thema Tod und Sterben gesammelt wird ist ja kein schlechter Platz für eine Fotoausstellung über eine verschwindende Landschaft, oder ?

Brooklyn, 19.09.1999

Brooklyn, 19.09.1999 (aus: New York City)

Dann würde ich gerne noch ein paar Worte zu meinem New York City-Serie sagen, die ist zwar schon vor 10 Jahren entstanden und war meine letzte Arbeit in s/w. Ich glaube, es gibt kaum eine Stadt, die so „durchfotografiert“ ist wie New York. Als ich 1999 für drei Wochen dort war, habe ich natürlich auch all die Bilder von den Hochhausschluchten und dem hektischen Gewimmel der Menschen in meinem Kopf gehabt. Da ich keine Lust hatte, solche Bilder zu machen, bin ich fast nur in den Nebenstraßen und Hinterhöfen der touristisch eher nicht so besuchten Stadteile Queens, Brooklyn und Coney Island unterwegs gewesen. Meine einzige Kamera war eine auf einem Flohmarkt für 40$ gekaufte Kleinbildsucherkamera aus den 70er Jahren. Ich bin morgens aufgestanden und habe mich getreu dem Motto „Be open to what the streets may deliver“ treiben lassen und ein New York entdeckt, in dem es kaum ein Hochhaus und fast keine Menschen gibt. Das Zitat stammt übrigens aus dem wundervollen Bildband „End Time City“ von Michael Ackerman, das ich damals in NY gekauft habe.

Sie haben es schon ein paar Mal angesprochen: Sie sind von Haus aus Steinmetz, arbeiten aber auch als Fotograf. Das ist eine eher unübliche Verbindung. Wie kommt es dazu? Warum die Entscheidung für die Kunst?

Postkarte

Die Totenstadt, Anröchter Dolomit, 90 cm | 45 cm | 50 cm

Ich habe Mitte der 80er Jahre eine Ausbildung zum Steinmetz absolviert und danach einige Jahre als Steinmetz gearbeitet. Obwohl meine Lehrzeit nicht so besonders war, gab es doch auch Momente, in denen ich gespürt habe: Das ist es! Dabei hat mich schon damals das Thema Grabmal besonders interessiert, aber vor allem deshalb, weil mir die absolute Einfallslosigkeit und Öde auf den meisten Friedhöfen, die ich zu Gesicht bekommen habe, doch sehr verwundert hat. Wohin man auch schaute, gab es nur die immer gleichen inhaltslosen und sinnlosen Formen, zu einem großen Teil aus industrieller Fertigung, da hat der Steinmetz dann noch den Namen graviert und, wenn´s hoch kam, vielleicht noch ein Ornament. Dabei bietet ein Grabmal, wenn man es richtig zu Ende denkt, die Chance, etwas über die Person auszusagen, für die es gemacht worden ist. Dass sich dafür allerdings die wenigsten Steinmetzen interessiert haben, hat mich damals wie heute verwundert.

Ich habe dann durch Zufall von der Akademie für gestaltende Handwerke in Aachen erfahren und dort von 1994 bis 1997 ein Studium absolviert. Dabei war es nicht primär mein Ziel, die Steinmetzarbeit hinter mir zu lassen, um mich der Bildhauerei zuzuwenden, sondern ich wollte vor allem das Thema Grabmal in all seinen Möglichkeiten ausloten. Denn meine Vorstellung war, dass ich nach dem Studium eine kleine Werkstatt gründen wollte, die sich auf ganz besondere Grabzeichen spezialisiert. Nach einigen Umwegen ist das mittlerweile auch der Fall und seit 4 Jahren unterrichte ich als Dozent an dieser Akademie das Fach Plastisches Gestalten und seit diesem Jahr auch noch Fotografie. Ich bin 2 Tage in der Akademie beschäftigt und der Rest der Zeit verteilt sich auf meine Fotoprojekte und die Arbeit in meiner Werkstatt.

Wie unterscheidet sich die Steinmetzarbeit von der Bildhauerkunst?

In der Regel stellt sich mir die Frage nach Steinmetzarbeit oder Bildhauerkunst überhaupt nicht, da ich immer auf einen konkreten Anlass hin tätig werde – und das ist in den meisten Fällen der Entwurf und die anschließende Anfertigung für ein Grabzeichen, das sich jemand für einen Verstorbenen wünscht. Es kommt natürlich vor, dass Menschen diese Arbeiten dann als Kunst bezeichnen, weil eben manchmal auch Dinge mitschwingen, die weit über das hinausgehen, was man üblicherweise mit einem Grabmal verbindet.

Beeinflussen sich die beiden Arbeitsweisen, Steinmetzarbeit und Fotografie, gegenseitig oder sind es zwei ganz unterschiedliche Bereiche?

Skulptur 2 Versailles, Februar 2010

Skulptur 2 Versailles, Februar 2010

Es gibt schon wechselseitige Einflüsse. Ich arbeite zum Beispiel gerade an einem Ornament für eine Stele, für die die Pflanzenfotografien von Karl Blossfeldt die Initialzündung waren. Vor einigen Jahren habe ich ein Fotoprojekt über diese kleinen Porträts von Verstorbenen gemacht, die besonders im Süden oder in Frankreich und Belgien auf Grabmälern zu finden sind. In der Regel sind das bedruckte Porzellantafeln, und wenn die einige Jahrzehnte der Witterung ausgesetzt waren, werden sie selber zum Memento Mori. Im vergangenen Winter habe ich in den Gärten von Schloss Versailles fotografiert. Ich hatte erfahren, das dort alle Marmorskulpturen der Witterung wegen von Planen verhüllt werden und das fand ich sehr reizvoll.

Vor zwei Jahren habe ich Fotografien über die Lehmhochhäuser im Jemen gesehen und die haben dann anschließend zu einer Umsetzung in Stein geführt.

Wer oder was beeinflusst Ihre Arbeit? Gibt es Vorbilder?

Es gab und gibt natürlich Künstler, die meine Arbeit auf die ein oder andere Art beeinflusst haben. Aber es kann auch ein Buch, ein Film oder Musik sein. Wenn ich Namen nennen müsste, dann sicher zuerst Walker Evans, Stephen Shore, Lewis Baltz und Robert Adams, deren Arbeiten faszinieren mich seit Jahren. Aber vor rund 25 Jahren war es Robert Franks Buch „Die Amerikaner“ das mich dazu brachte, mich näher mit der Fotografie zu befassen. Vor einiger Zeit habe ich Joachim Brohm für mich entdeckt, seine Fotografien finde ich sehr spannend.

In der Bildhauerei schätze ich die Arbeiten von Karl Prantl und Ulrich Rückriem.

Was ist Ihrer Meinung nach charakteristisch für Ihre Arbeiten?

Für meine Steinarbeiten ganz sicher die reduzierte und klare Formensprache, ich übe mich seit Jahren in der Kunst des Weglassens. In meiner Fotografie ist es die fast immer zurückgenommene Farbigkeit in Verbindung mit einem präzisen und durchdachten Bildaufbau Teil meines Bildprogramms.

Johannes Twielemeier, herzlichen Dank für das Interview!

[ [ VORSPANN_TEXT ] ]

- Krematoriumprojekt

- Ausbildung Steinmetz

Ihre Fotoserien heißen Krematorien, Orte ohne Wiederkehr, Niemandsland und kreisen um Themen wie Vergänglichkeit, Tod, Zerstörung, Leere – zumindest assoziiert man dies mit den Titeln. Was ist das besondere Interesse Ihrer Fotografien?

Seit Jahren interessieren mich Orte, die, aus verschiedenen Gründen, von ihren Bewohnern verlassen wurden. Mich interessieren die Spuren, die Menschen dabei zurücklassen und ich mag die Magie, die Räume dieser Art entfalten können. Mir gefällt diese nutzlose, verbrauchte Architektur, die, auf sich selbst zurückgeworfen, ein Eigenleben entwickelt.

Im Fall des Krematorium-Projekts fand ich es sehr spannend, einen Blick in Räume zu werfen, die normalerweise nicht ohne Weiteres zugänglich sind. Da musste ich auch viel Überzeugungsarbeit leisten, um zu meinen Bildern zu kommen und war am Ende sprachlos über die Beschaffenheit der Räume, die ich zu Gesicht bekommen hatte.

Diese Spuren zeigen sich in Ihren Fotografien vor allem auch als Spuren von architektonischen Elementen. Woher kommt dieser Fokus auf die Architektur?

Ich denke, dass da der Grundstein in meiner Steinmetz-Ausbildung liegt, denn damit stehe ich ja sozusagen in der Tradition der Baumeister aus dem Mittelalter. Leider sind die Steinmetzen in der heutigen Baukultur höchstens noch damit befasst, Platten vor eine Betonfassade zu hängen, wenn wir den Bereich Restaurierung mal ausnehmen. Als Fotograf interessieren mich eher Gebäude und Bauwerke, an denen der Zahn der Zeit nicht spurlos vorübergegangen ist. In der Regel auch eine Architektur, die auf Zweckmäßigkeit ausgelegt ist. Deshalb bin ich auch gerne am Rand von großen oder kleinen Städten unterwegs, im urbanen Niemandsland, da gibt es immer etwas zu entdecken. Ich mag die Bruchstellen, die man hier finden kann.

Wo und wie finden Sie Ihre Motive?

Ich bewege mich mit meinen fotografischen Arbeiten in der Dokumentarfotografie, aber ich hoffe doch, das meine Arbeiten über das rein Dokumentarische hinausgehen. Das große Thema, das sich seit Jahren durch meine Fotoarbeiten zieht, ist das unaufhaltsame Fließen der Zeit und das war schon in meinen allerersten Fotografien so. Das hat sich natürlich im Lauf der Jahre um andere Aspekte erweitert, aber die fundamentale Eigenschaft der Fotografie, das Anhalten der Zeit, hat für mich nichts von ihrer Faszination verloren.

Als ich vor Jahren mit dem Thema Krematorien in Deutschland begonnen habe, hat mich die Banalität und Zweckmäßigkeit dieser Räume angeregt, mich näher damit zu befassen, aber eigentlich bin ich in das erste Krematorium gefahren, um für meine Examensarbeit, eine Urne aus Stein, zu recherchieren, und daraus hat sich dann das Fotoprojekt entwickelt. Das Orte ohne Wiederkehr-Thema liegt fast vor meiner Haustür im Rheinland, auch deshalb konnte ich über einen Zeitraum von sieben Jahren immer wieder dort arbeiten.

Zur Zeit recherchiere ich für ein neues Projekt in Italien, darauf bin ich durch einen Beitrag im Radio aufmerksam geworden. So wie es aussieht, werde ich dieses Projekt mit einer selbstgebauten Camera obscura fotografieren, darauf freue ich mich besonders – back to the roots, sozusagen. Aber es gibt immer auch noch Tage, da nehme ich mir eine Kamera und flaniere ziellos durch eine Stadt oder einen Ort, an dem ich zufällig gerade bin, und lasse mich treiben, und wenn ich viel Glück habe, dann finden mich auch meine Motive, ohne dass ich nach ihnen suchen muss.

Vielleicht wollen Sie die ein oder andere Arbeit näher vorstellen?

Da würde ich sehr gerne zwei Foto-Projekte vorstellen:

Zum einen meine aktuelle Orte ohne Wiederkehr-Serie, an der ich von 2002 bis 2009 gearbeitet habe und die gerade im Museum für Sepulkralkultur in Kassel gezeigt wird (LINK IM VORSPANNTEXT). Ich habe zum ersten Mal über einen so langen Zeitraum an einer Sache gearbeitet, aber die ganze Dimension dieser Abriss- und Umsiedlungsaktion im Braunkohletagebau Garzweiler ist ja auch immens: Ende der 1980er Jahre wurde damit begonnen und in ca. 15 Jahren werden 13 Ortschaften in einer dann über 120 Quadratkilometer großen Braunkohlegrube für immer verschwunden sein. Fast 8.000 Bewohner verlieren Haus und Hof und werden „umgesiedelt“, was ein sehr harmloses Wort für den totalen Verlust ihrer Heimat ist. Ich habe mich irgendwann auf eine absurde Art „zu Hause“ gefühlt in dieser Geisterlandschaft aus verlassenen Häusern und verwaisten Straßen und habe mich regelrecht an den Themen, die mich ja seit Jahren fotografisch interessieren, abgearbeitet. Das hat aber auch dazu geführt, das ich nach der Beendigung dieses Projektes das Gefühl hatte, mit dieser Art der Fotografie erst mal an einem Endpunkt angekommen zu sein. Das haben mir jetzt auch die Vorbereitungen zu der Ausstellung bestätigt. Allerdings fühle ich mich in dem Museum für Sepulkralkultur in Kassel sehr gut aufgehoben mit meiner Arbeit. Neben den Fotografien zeige ich auch eine Steinarbeit, die parallel zu den Fotos entstanden ist. Ein Museum, in dem alles zum Thema Tod und Sterben gesammelt wird ist ja kein schlechter Platz für eine Fotoausstellung über eine verschwindende Landschaft, oder ?

Dann würde ich gerne noch ein paar Worte zu meinem New York City-Serie sagen, die ist zwar schon vor 10 Jahren entstanden und war meine letzte Arbeit in s/w. Ich glaube, es gibt kaum eine Stadt, die so „durchfotografiert“ ist wie New York. Als ich 1999 für drei Wochen dort war, habe ich natürlich auch all die Bilder von den Hochhausschluchten und dem hektischen Gewimmel der Menschen in meinem Kopf gehabt. Da ich keine Lust hatte, solche Bilder zu machen, bin ich fast nur in den Nebenstraßen und Hinterhöfen der touristisch eher nicht so besuchten Stadteile Queens, Brooklyn und Coney Island unterwegs gewesen. Meine einzige Kamera war eine auf einem Flohmarkt für 40$ gekaufte Kleinbildsucherkamera aus den 70er Jahren. Ich bin morgens aufgestanden und habe mich getreu dem Motto „Be open to what the streets may deliver“ treiben lassen und ein New York entdeckt, in dem es kaum ein Hochhaus und fast keine Menschen gibt. Das Zitat stammt übrigens aus dem wundervollen Bildband „End Time City“ von Michael Ackerman, das ich damals in NY gekauft habe.

Sie haben es schon ein paar Mal angesprochen: Sie sind von Haus aus Steinmetz, arbeiten aber auch als Fotograf. Das ist eine eher unübliche Verbindung. Wie kommt es dazu? Warum die Entscheidung für die Kunst?

[[hier wird ein Teil in die Einleitung miteinfließen und daher an dieser Stelle wegfallen]]

Ich habe Mitte der 80er Jahre eine Ausbildung zum Steinmetz absolviert und danach einige Jahre als Steinmetz gearbeitet. Obwohl meine Lehrzeit nicht so besonders war, gab es doch auch Momente, in denen ich gespürt habe: Das ist es! Dabei hat mich schon damals das Thema Grabmal besonders interessiert, aber vor allem deshalb, weil mir die absolute Einfallslosigkeit und Öde auf den meisten Friedhöfen, die ich zu Gesicht bekommen habe, doch sehr verwundert hat. Wohin man auch schaute, gab es nur die immer gleichen inhaltslosen und sinnlosen Formen, zu einem großen Teil aus industrieller Fertigung, da hat der Steinmetz dann noch den Namen graviert und, wenn´s hoch kam, vielleicht noch ein Ornament. Dabei bietet ein Grabmal, wenn man es richtig zu Ende denkt, die Chance, etwas über die Person auszusagen, für die es gemacht worden ist. Dass sich dafür allerdings die wenigsten Steinmetzen interessiert haben, hat mich damals wie heute verwundert.

Ich habe dann durch Zufall von der Akademie für gestaltende Handwerke in Aachen erfahren und dort von 1994 bis 1997 ein Studium absolviert. Dabei war es nicht primär mein Ziel, die Steinmetzarbeit hinter mir zu lassen, um mich der Bildhauerei zuzuwenden, sondern ich wollte vor allem das Thema Grabmal in all seinen Möglichkeiten ausloten. Denn meine Vorstellung war, dass ich nach dem Studium eine kleine Werkstatt gründen wollte, die sich auf ganz besondere Grabzeichen spezialisiert. Nach einigen Umwegen ist das mittlerweile auch der Fall und seit 4 Jahren unterrichte ich als Dozent an dieser Akademie das Fach Plastisches Gestalten und seit diesem Jahr auch noch Fotografie. Ich bin 2 Tage in der Akademie beschäftigt und der Rest der Zeit verteilt sich auf meine Fotoprojekte und die Arbeit in meiner Werkstatt.

Wie unterscheidet sich die Steinmetzarbeit von der Bildhauerkunst?

In der Regel stellt sich mir die Frage nach Steinmetzarbeit oder Bildhauerkunst überhaupt nicht, da ich immer auf einen konkreten Anlass hin tätig werde – und das ist in den meisten Fällen der Entwurf und die anschließende Anfertigung für ein Grabzeichen, das sich jemand für einen Verstorbenen wünscht. Es kommt natürlich vor, dass Menschen diese Arbeiten dann als Kunst bezeichnen, weil eben manchmal auch Dinge mitschwingen, die weit über das hinausgehen, was man üblicherweise mit einem Grabmal verbindet.

Beeinflussen sich die beiden Arbeitsweisen, Steinmetzarbeit und Fotografie, gegenseitig oder sind es zwei ganz unterschiedliche Bereiche?

Es gibt schon wechselseitige Einflüsse. Ich arbeite zum Beispiel gerade an einem Ornament für eine Stele, für die die Pflanzenfotografien von Karl Blossfeldt die Initialzündung waren. Vor einigen Jahren habe ich ein Fotoprojekt über diese kleinen Porträts von Verstorbenen gemacht, die besonders im Süden oder in Frankreich und Belgien auf Grabmälern zu finden sind. In der Regel sind das bedruckte Porzellantafeln, und wenn die einige Jahrzehnte der Witterung ausgesetzt waren, werden sie selber zum Memento Mori. Im vergangenen Winter habe ich in den Gärten von Schloss Versailles fotografiert. Ich hatte erfahren, das dort alle Marmorskulpturen der Witterung wegen von Planen verhüllt werden und das fand ich sehr reizvoll.

Vor zwei Jahren habe ich Fotografien über die Lehmhochhäuser im Jemen gesehen und die haben dann anschließend zu einer Umsetzung in Stein geführt.

Wer oder was beeinflusst Ihre Arbeit? Gibt es Vorbilder?

Es gab und gibt natürlich Künstler, die meine Arbeit auf die ein oder andere Art beeinflusst haben. Aber es kann auch ein Buch, ein Film oder Musik sein. Wenn ich Namen nennen müsste, dann sicher zuerst Walker Evans, Stephen Shore, Lewis Baltz und Robert Adams, deren Arbeiten faszinieren mich seit Jahren. Aber vor rund 25 Jahren war es Robert Franks Buch „Die Amerikaner“ das mich dazu brachte, mich näher mit der Fotografie zu befassen. Vor einiger Zeit habe ich Joachim Brohm für mich entdeckt, seine Fotografien finde ich sehr spannend.

In der Bildhauerei schätze ich die Arbeiten von Karl Prantl und Ulrich Rückriem.

Was ist Ihrer Meinung nach charakteristisch für Ihre Arbeiten?

Für meine Steinarbeiten ganz sicher die reduzierte und klare Formensprache, ich übe mich seit Jahren in der Kunst des Weglassens. In meiner Fotografie ist es die fast immer zurückgenommene Farbigkeit in Verbindung mit einem präzisen und durchdachten Bildaufbau Teil meines Bildprogramms.

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Thomas Florschuetz “Imperfekt” in Tübingen

5 08 2010

As Thomas Florschuetz’ work focuses on manifold themes, in the exhibition “Imperfekt” at Kunsthalle Tübingen, his photographs are organized not according to a possible contingency of contents, but to visual connections and aesthetic associations. Nevertheless there’s a leitmotif in all these works: architecture. Kunsthalle Tübingen presents a selection of Florschuetz’ most recent works from 1997 to 2010.

Thomas Florschuetz, Enclosure (Brasilia) 05, 2008/2010, C-print, Diasec © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Thomas Florschuetz, Enclosure (Brasilia) 05, 2008/2010, C-print, Diasec © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

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Thomas Florschuetz

Imperfekt

17. Juli – 26. September 2010
Kunsthalle Tübingen

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PR-Text: Ein abgewrackter Helikopter, überflügelt von einem Bündel braun gefleckter Bananen; das Rund einer antiken Arena neben einer Roten-Beete-Knolle; ein kopfloses Reiterstandbild und ein abgetrennter Eselskopf an einer Wand; vier runde Lüster, begleitet von zwei Orangen: Thomas Florschuetz schert sich bei der Anordnung seiner Bilder in der Kunsthalle Tübingen nicht um inhaltliche Stringenz. Vielmehr bestimmen visuelle Bezüge und ästhetische Assoziationen die Hängung der großformatigen Arbeiten des Berliner Fotokünstlers. Und doch beherrscht ein Grundtenor die Schau seiner Hauptwerke aus den Jahren zwischen 1997 und 2010. Es ist die Architektur, die den roten Faden durch die Ausstellungsräume spinnt.

Thomas Florschuetz, Enclosure (Neues Museum) 25, 2009/2010, C-print, Diasec  © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Thomas Florschuetz, Enclosure (Neues Museum) 25, 2009/2010, C-print, Diasec © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

So sind Florschuetz’ Werkgruppen zu Le Corbusiers Wallfahrtskirche in Ronchamp, zu Oscar Niemeyers Bauten in Brasília, zur Residenz des Deutschen Botschafters in London oder zu seinem Atelierfenster zu sehen, und immer wieder Unvollendetes oder Zerstörtes: David Chipperfields Umbaustelle des Neuen Museums, der Abrisstorso des Palasts der Republik, eine Vandalismusruine im kalifornischen Wonder Valley und die römischen Siedlungsreste im israelischen Bet Sche’an. Zwischendrin treten Variationen, Abweichungen und Störungen des architektonischen Themas in den Vordergrund: duftig zarte Orchideenblüten etwa, ähnlich anmutige Details von ausgedienten Kampfjets und Hubschraubern in einer Wüste in Arizona, oder die Nahaufnahme einer Roten-Beete-Knolle und andere überraschende Kontrapunkte. Die dokumentarische Eindeutigkeit, die dem Medium der Fotografie von jeher zugeschrieben wird, finden die durch die Kunsthalle Tübingen flanierenden Besucher nicht wieder. Stattdessen werden sie beim Gang durch Florschuetz’ visuelle Kompositionen eine geradezu musikalische Rhythmizität und eine schillernde Vieldeutigkeit erleben, die jeden Interpretationsspielraum offen lassen.

Schärfe, Unschärfe, Spiegelung und Fragmentierung sowie die Zusammenfügung von Teilansichten zu mehrteiligen Ensembles gehören zu den Verfremdungseffekten, die sich der 1957 in Zwickau geborene Thomas Florschuetz im Laufe seiner bemerkenswerten Karriere erarbeitet hat. Der international herausragende Vertreter deutscher Fotografie hat sich sein künstlerisches Können autodidaktisch in Karl-Marx-Stadt angeeignet, wo er aufwuchs. Nachdem er sich 1981 der Ostberliner Künstlerszene angeschlossen hatte, experimentierte er mit Selbstakten, die er zu absurden Ensembles fügte. Mit diesen Arbeiten gewann er überraschend 1987 den Preis für junge europäische Fotografie in Frankfurt am Main. Anschließend übersiedelte er nach Westberlin. Ab 1993 schuf er mittels Durchleuchtung von Körperteilen Bilder von abstrakter Qualität. Ab 1997 setzte er sein Atelierfenster als ein die Außenwelt brechendes Kaleidoskop ins Bild. Bis zur Jahrtausendwende entstanden Blumen- und Vorhangbilder. Seitdem befasst er sich mit Architektur. Die Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen vereint erstmals eine Auswahl dieser jüngeren Werkgruppen zu einem umfassenden Überblick.

Illus. courtesy Kunsthalle Tübingen, Thomas Florschuetz

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“Invisible Past” in Berlin, “Nackt/Pur” in Erfurt

5 08 2010

The photographs shown in Berlin based exhibit „Invisible Past – Bilder einer verschwindenden Zeit“ (Images of a vanishing past) reflect facets of Berlin within the past 50 years. | For her new project „Nackt/Pur“ (Naked/Pure), Chris Kremberg works with actors/dancers. Together thes create poses that thematise the relationship of man to urban exteriors of cities. It’s currently on view at Kunsthalle Erfurt.

© Leo Pompinon, Wandstudie, Berlin, 2009

© Leo Pompinon, Wandstudie, Berlin, 2009

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Invisible Past – Bilder einer verschwindenden Zeit

Photoarbeiten von Sibylle Bergemann, Hannes Kilian, Stefan Moses, Louis Stettner, Birgit Kleber, Dieter Matthes, Martin Mlecko und Leo Pompinon.

21. Juli – 28. August 2010

Johanna Breede PHOTOKUNST, Berlin

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© Sibylle Bergemann, Clärchens Ballhaus, Berlin, 2008

© Sibylle Bergemann, Clärchens Ballhaus, Berlin, 2008

Aus dem PR-Text: Hannes Kilian’s regennasse Pflasterstraße im Berlin der 1950er Jahre, Stefan Moses markante Leipziger Milieustudien, noch nie gezeigte Photographien von Louis Stettner die den „Spirit of G.D.R“ wiedergeben, bröckelnde Fassaden, von Sibylle Bergemann als Kulisse für Ihre Modeaufnahmen inszeniert oder aber die längst verlassenen Orte ostdeutscher Lebenslandschaften von Dieter Matthes, Martin Mlecko und Leo Pompinon – sie alle sind Bilder einer verschwindenden Zeit, die das Bewusstsein der Vergänglichkeit wach werden lassen.

In den Motiven treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander. Mystische Ausstrahlung, skurrile Momente, historische Räume oder marode Ästhetik beschreiben die Geschichte auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Illus. courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

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Chris Kremberg Nackt.Pur, 2009 Fotografie auf Büttenpapier © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Chris Kremberg, Nackt.Pur, 2009, Fotografie auf Büttenpapier © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

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Chris Kremberg | Nackt.Pur | Fotografien

22. Juli – 22. August 2010

Kunsthalle Erfurt

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Aus dem PR-Text: [...] Seit mehreren Jahren arbeitet Chris Kremberg (*1971) eng mit Tänzern zusammen, studiert Bewegungsabläufe, Körperhaltung, Atmung etc., um sie in choreografierte fotografische Bilder zu übersetzen. Dabei spielt der menschliche Körper als Hülle subjektiver Innerlichkeit und seine sensitive, osmotische Interaktion mit der Umwelt eine wichtige Rolle. Nicht selten agieren die Tänzer in Kostümen, welche die Künstlerin entworfen hat. Für das neue Projekt „Nackt/Pur“ entwirft Chris Kremberg mit den Darstellern bzw. Tänzern Haltungen, die das Verhältnis des Einzelnen zum urbanen Außenraum von Großstädten thematisieren.

Chris Kremberg Körper. Nicht Ort, 2010 Fotografie auf Aludibond, unter Glanzfolie  © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Chris Kremberg, Körper. Nicht Ort, 2010 ,Fotografie auf Aludibond, unter Glanzfolie © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Diese aus ihrer Sicht unwirtlichen, transitorischen Räume, tagsüber stark frequentiert, nachts leer, werden von den Darstellern markiert, besetzt, belebt – symbolisch angeeignet. Gehemmt wird die individuelle Bewegungsfreiheit der Agierenden jedoch durch enge Verhüllungen. Die formalen Spannungen zwischen Körper und Raum/ Architektur, organischer und unbelebter Dinglichkeit, Bewegung und Hemmung des Bewegungsdrangs bilden die Grundlage einer fotografischen Deutung, die das Verhältnis des Individuums zur gebauten Umwelt der großen modernen Städte als ein prekäres beschreibt.

Illus. courtesy Kunsthalle Erfurt, Chris Kremberg

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Urbane Gewächse | Urban Plants: Surprising perspectives on urbanity

5 08 2010

An unusual perspective on urbanism: „Urbane Gewächse“ (Urban Plants) presents a surprising aspect of contemporary photography focusing on the multi-faceted topic of plants in the city. Shown are works by 6 German photographers Claudia Angelmaier, Nina Ebbinghaus, Claudia Fährenkemper, Annabelle Fürstenau, Ralph Samuel Grossmann, Helmut Völter.

Annabelle Fürstenau Astrantia major (Doldenstern), 2010 Inkjet-Print © Annabelle Fürstenau

Annabelle Fürstenau Astrantia major (Doldenstern), 2010 Inkjet-Print © Annabelle Fürstenau

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Urbane Gewächse
Positionen zeitgenössischer Pflanzenfotografie

Kurator: Dr. Christoph Schaden, Köln

Teilnehmende Künstler: Claudia Angelmaier | Nina Ebbinghaus | Claudia Fährenkemper |
Annabelle Fürstenau | Ralph Samuel Grossmann | Helmut Völter

24. Juli bis 26. September 2010

Alfred Erhard Stiftung Berlin

Künstlergespräch: Sonntag, 22. August 2010, 14 Uhr
zwischen Helmut Völter und Dr. Christoph Schaden mit einer integrierten Lesung aus dem Handbuch der wildwachsenden Großstadtpflanzen

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Helmut Völter Bildseite aus dem Buch „Handbuch der wildwachsenden Großstadtpflanzen“, 2006 Buch, Offsetdruck © Helmut Völter

Helmut Völter Bildseite aus dem Buch „Handbuch der wildwachsenden Großstadtpflanzen“, 2006 Buch, Offsetdruck © Helmut Völter

PR-Text: In seinem Handbuch der wildwachsenden Großstadtpflanzen, das 2006 erschienen ist, gelingt dem Leipziger Künstler Helmut Völter eine Neubestimmung des Floralen im urbanen Raum. „Die Stadt ist auf den ersten Blick für Pflanzen ein fremder, wenn nicht feindlicher Standort. Wo zwischen der dichten Bebauung offener Boden übrigbleibt, ist dieser untergraben von der unterirdischen Infrastruktur der Stadt, belastet mit Schadstoffen und von Fußgängern und Automobilen betreten und befahren. Ein zweiter Blick, ein aufmerksamer Spaziergang zeigt, dass sich trotz dieser schwierigen Bedingungen eine wildwachsende, eigenständige Flora der Stadt entwickelt hat.“ Dass mit der Wiederaneignung städtischer Restareale tatsächlich der vermeintliche Nischencharakter, welcher Pflanzen in der Großstadt attestiert wird, zur Disposition steht, belegen die akribischen fotodokumentarischen Erkundungen von Helmut Völter mit Nachdruck. Seine Recherchearbeiten eröffnen einen schöpferischen Gegenblick und bilden zugleich den Ausgangspunkt der Ausstellung „Urbane Gewächse“, die mitunter auch eine zivilisatorische Perspektive wagt.

Nina Ebbinghaus Hercleum mantegazzianum / Riesen Bärenklaue. Herkunftsort: Kaukasus, 2009 aus der Serie „Neubürger“ C-Print © Nina Ebbinghaus

Nina Ebbinghaus Hercleum mantegazzianum / Riesen Bärenklaue. Herkunftsort: Kaukasus, 2009 aus der Serie „Neubürger“ C-Print © Nina Ebbinghaus

Nina Ebbinghaus aus Dortmund etwa dokumentiert in zwei sechsteiligen Farbserien Pflanzenarten, die einen deutlichen Migrationshintergrund aufweisen. Es handelt sich bei den portraitierten Neophyten um sogenannte „Aquatische Migranten“ und „Neubürger“, die über Luft und Wasser auf illegitime Weise nach Deutschland gelangen konnten.

Claudia Angelmaier aus Leipzig analysiert in ihren fotografischen Arbeiten dagegen tradierte Vorlagen der Hochkunst, die das kollektive Vorstellungsbild von Pflanzen nachhaltig geprägt haben. Exemplarisch werden „Das große Rasenstück“ und die „Akelei“ von Albrecht Dürer in sorgsam drapierten Buchreproduktionen zu jeweils großformatigen Tableaus zusammengestellt. Nicht ohne Ironie bedienen diese Konstruktionen tradierte Projektionsmechanismen, denen die Pflanze im großstädtischen „kulturellen Raum“ bis heute ausgesetzt ist.

Einen chirurgischen Blick auf das Florale wirft wiederum Annabelle Fürstenau aus Kiel. Ihre fotografischen Aufnahmen bilden das aufwändige Resultat von Sezierungsprozessen einzelner Blumen- und Pflanzengewächse, deren fragile Glieder nach Größe und Gestalt sorgsam aneinandergereiht wurden. In der Anschauung evozieren ihre Ordnungssysteme eine schmerzende wie ästhetisierende Distanz zu den Objekten. Radikal stellt sich hier die Frage nach dem Identitätsmoment von zeitgenössischen Pflanzenarten.

Ralph Samuel Grossmann Le Trèfle, 2010 aus der Serie „Lux Botanica“ C-Print auf Fuji Crystal Archive © ADAGP, Paris 2010Ralph Samuel Grossmann Le Trèfle, 2010 aus der Serie „Lux Botanica“ C-Print auf Fuji Crystal Archive © ADAGP, Paris 2010

Im Gegenzug offenbart sich die Werkserie von Claudia Fährenkemper in Form einer medialen Rückvergewisserung. Bei ihren hochformatigen Pflanzen- und Blumenbildern handelt es sich um Fotogramme, die am Fundort der Pflanzenobjekte unmittelbar von Sonnenstrahlen belichtet wurden. Auf dem Bildträger hinterlassen die Motive einen Abdruck in Originalgröße, der in seiner Farbigkeit bizarr gehalten ist. Somit stellt sich der Abdruckcharakter der Fotogramme bewusst zwischen Anachronismus und Modernität.

Ein Fanal bilden schließlich die beiden Fotoarbeiten von Ralph Samuel Grossmann aus Berlin. In seinen betont nüchternen Bildern ist das Florale wieder in die Blumenvase zurückgekehrt. Eine künstlerische Domestizierungsmaßnahme, wie es scheint, die im Pflanzenmotiv allenfalls noch einen farbabstrakten Aspekt erkunden will. Urbane Gewächse fungieren hier nicht einmal mehr als Projektionsfläche.

Illus. courtesy Alfred Ehrhardt Stiftung, die Fotografen

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Susanne Beik in Viernheim: Changing architecture painting

4 08 2010

Currently on show at Viernheim Kunstverein: Susanne Beik’s wall paintings that work on the exhibition space’s architecture in a particular manner, regarding specific details such as size, proportions, colours, material and thus changing the space fundamentally.

“NETZWERKE”

Malerische Installation und Tafelbilder von SUSANNE BEIK

im Kunsthaus Viernheim

23.Juli – 21.Aug. 2010

PR-Text: In ihren Wandmalereien bearbeitet Susanne Beik Architektur in einer Weise, die auf spezifische Vorgaben wie Maße, Proportionen, Farbigkeit und Materialien Bezug nimmt, gerade dadurch jedoch den Raum grundlegend verändert.

Vor Jahren schon hat sie eine Bildsprache entwickelt, deren Spektrum auf den ersten Blick eng begrenzt erscheint, in der konkreten Anwendung aber eine erstaunliche Varianzbreite nicht nur graduell, sondern auch grundsätzlich unterschiedlichster Möglichkeiten eröffnet. Einmal mehr zeigt sich, dass radikale Beschränkung – nicht nur in der Kunst – ein Gestaltungs- und Wahrnehmungsspektrum von überraschender Vielfalt erschließen kann. Dem mit Akribie und Disziplin, mit geradezu wissenschaftlicher Neugier und Präzision nachzuspüren, kann zu einer Obsession werden, aus der faszinierende Einsichten und Ergebnisse resultieren.

Susanne Beik verwendet ausschließlich eine Art Schlingmuster, dessen „Tragfähigkeit” sie zunächst in Tafelbildern, später in eindrucksvollen Wandmalereien erprobt hat. Sie setzt es sparsam oder ganze Wandflächen füllend ein, flächendeckend, punktuell oder als Fries.

Susanne Beiks Arbeiten leben aus der Spannung zwischen der seriellen Anordnung ihrer Motive und deren individuell skripturaler, jedenfalls nicht schablonenhaft-mechanischer Ausführung. Diese Ausführung ist nichts, was als sekundär vom konzeptionellen Ansatz getrennt werden könnte. In der individuellen, nicht delegierbaren Aktion des Machens verwirklicht sich erst eigentlich das künstlerische Konzept. Die Arbeit entsteht in einem Prozess höchster Konzentration, der die künstlerische Aneignung des Raumes und das Erleben und Sichtbarmachen der Zeitdimension umschließt. Das weiße Lineament wird dabei nicht einem dunklen Grund aufgesetzt, sondern bleibt als Bestandteil der Wand ausgespart. (Hans Gercke)

Susanne Beik selbst sagt::
Bei meinen malerischen Installationen bin ich durch das Arbeiten vor Ort mit immer neuen räumlichen Situationen konfrontiert. Durch das Eingehen auf und das Arbeiten mit diesen Gegebenheiten entstehen immer neue Installationen, die einzigartig sind – womit ich meine, dass keine von ihnen genau so an einem anderen Ort entstehen kann.

Illus.: courtesy Kunstverein Viernheim, Susanne Beik

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Chinese Interiors: Robert van der Hilst und Meng Jin & Fang Er in Berlin

25 07 2010

During the summer, PHOTO EDITION BERLIN presents Dutch photographer Robert van der Hilst’s series “Chinese Interiors“ and the project “Love Hotel“ by Chinese artists MENG JIN & FANG ER. Both positions present the viewer complementary and unusual interiors of contemporary China.

© Meng Jin & Fang Er: "Love Hotel", 102 x 90cm, Edition 8, 2008 / 09

© Meng Jin & Fang Er: "Love Hotel", 102 x 90cm, Edition 8, 2008 / 09

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ROBERT VAN DER HILST Chinese Interiors

Fotografien aus den Jahren 2004 – 2009

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MENG JIN & FANG ER Love Hotel

Fotografien aus den Jahren 2008 / 09

24. Juni – 13. August 2010

Photo Edition Berlin

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© Robert van der Hilst: "Chinese Interiors" No.4, 110 x 131 cm, 2008

© Robert van der Hilst: "Chinese Interiors" No.4, 110 x 131 cm, 2008

Aus dem PR-Text: Robert van der Hilst lässt intime Bildserien für das Verständnis der Porträtierten entstehen, besonders vor dem Hintergrund der kulturellen Gepflogenheiten jenes Landes. In seinen Fotografien offenbart sich der Alltag der Menschen in ihren Gesichtern und Körpern, als auch in den inszenierten Interaktionen in den sonst eher schwer zugänglichen Privaträumen.

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LOVE HOTEL von MENG JIN & FANG ER

Gegenübergestellt ist das Fotoprojekt „Love Hotels“ des chinesischen Künstlerpaares MENG JIN und FANG ER. Auch sie thematisieren Interieurs. Ihre sind hingegen jederzeit zugänglich. Erstmalig arbeiten die beiden Fotografen an einer gemeinsamen Fotoserie. In den in China so genannten Love Hotels mieten die Künstler ein Zimmer für drei Stunden, in denen sie das vorhandene Mobiliar der Hotelzimmer stapeln, unter Decken verbergen und zu temporären anthropomorphen Gebilden formen. Anstelle menschlicher Körper arrangieren die Künstler die Gegenstände in einer Beziehung zwischen Nähe und Distanz zu einem ineinander verschlungenen Liebesakt.

© Meng Jin & Fang Er: "Love Hotel", 90 x 102 cm, Edition 8, 2008 / 09

© Meng Jin & Fang Er: "Love Hotel", 90 x 102 cm, Edition 8, 2008 / 09

Der flüchtige Moment des intimen Zusammenseins steigert sich während des Arrangierens bis zum Höhepunkt der fotografierten Skulptur vor der vorgefundenen Kulisse des Hotelzimmers. Die Gegenstände werden nach diesem Prozess an ihren ursprünglichen Standort zurückgestellt, sollen jedoch beim Betrachter einen Eindruck – jenseits von Glück und Dramatik – von einem Ausflug in eine andere Welt hinterlassen.

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Illustr. courtesy Photo Edition Berlin

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NEW Virtual Exhibition: Architektur|Erinnerung

19 07 2010

„Wir denken nicht an die Naturwissenschaft, sondern an die Architektur, wenn wir von Raum oder Zeit in Bezug auf unsere Erfahrungen und Erinnerungen sprechen.” Daniel Libeskind, Breaking Ground, 2004, S. 308

Diese Bebobachtung, wie sie Libeskind formuliert, lässt sich auch im alltäglichen Leben machen: Erinnerung und Vorstellungen werden oft mit räumlichen Bildern verbunden – sei es  etwa das „Studieren“ an der Universität mit Hörsälen, Bibliotheken, Mensa, sei es das „Zuhause“ mit dem alten Kinderzimmer, dem Garten der Großeltern, den eigenen Vierwänden, …

Unsere Erinnerungen und Erlebnisse sind sehr oft mit baulichen Elementen verbunden.

Ganz in diesem Sinne stehen auch unsere imaginären Bilder von Metropolen mit Bauwerken in Verbindung – was wäre Paris ohne Eiffelturm, London ohne Tower Bridge, New York ohne Wolkenkratzer?

Die folgenden KünstlerInnen nähern sich der Architektur-Erinnerung, dem persönlichen Erleben von Architektur aus verschiedenen Perspektiven an:

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“When talking about space or time in our experiences and memories, we are not thinking of natural sciences, but of architecture.” Daniel Libeskind, Breaking Ground (transl. by S. K.)

A similar observation as described by Libeskind can be made in our everyday life: we connect memories and ideas with spatial images – being it “studying” at the university with its lecture theaters, libraries, cafeterias, being it “home” in the old bedroom we used as kids, the grandparents’ garden, one’s own appartment, …

Our memories and experiences are often connected to architectural elements.

In the same spirit we associate our imaginary ideas of cities with buildings – what would  Paris be without the Eiffel Tower, London without its Tower Bridge, New York without skyscrapers?

The following artists approach Architectural Memories, the personal experience of architecture in different ways:

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Michael á Grømma, Coast of California, 2008

Michael á Grømma, Coast of California, 2008 © M. á G.

Der junge dänische Künstler Michael á Grømma hat in seinen Gemälden seine Erfahrungen in Californien verarbeitet. Tatsächlich haben ihn die Erlebnisse vor allem der Städte Westamerikas zur Malerei gebracht. In einem Interview mit deconarch.com vom März 2009 erzählte Grømma:

Michael á Grømma, God is in the House, 100 x 100 cm, 2008

Michael á Grømma, God is in the House, 100 x 100 cm, 2008 © M. á G.

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“It all started when I visited California last year (2007). I loved the cities and I loved the whole vibe and feel of the place, and also the people living there. It inspired me a lot, and when I got home I wanted to tell people about my experience! Painting was a very natural choice of expression, and all of my motives are in someway connected to my experience in CA. I also include things like my huge fear of flying, and therefore the dilemma of me wanting to go back to visit again.”

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Beatrice Minda: Tomnatic 2004

Beatrice Minda: Tomnatic 2004 © B. M.

Beatrice Minda

Beatrice Minda © B. M.

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Beatrice Mindas Serie “Innenwelt” , 2003-2006, zeigt menschenleere Interieurs, die auf Kindheitserinnerungen der Fotografin an die Wohnräume ihrer Großeltern in Rumänien basieren. Zwischen 2003 und 2006 fotografierte sie in Rumänien sowie in Duetschland und Frankreich Zimmer von Rumänen, von im Exil lebenden Rumänen sowie Arbeitsmigranten. Sie wolle mit dem Projekt etwas gegen des Vergessen tun und der Welt ihrer Kindheit nachspüren, so Minda. Entstanden sind poetische Bilder voller Details, die Heimat, aber auch den Verlust einer solchen aufscheinen lassen.

Mehr …

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Hans Martin Sewcz, Portrait ICC Berlin, 2003 © H. M. S.

Der Berliner Fotograf Hans Martin Sewcz porträtiert funktionale Nutzbauten der Moderne und Postmoderne. Er begegnet diesen Gebäuden anders als gewohnt: nicht nüchtern, sondern emotional. Er porträtiert die Bauten wie „Persönlichkeiten“ mit ihren besonderen Stärken und Schwächen, durch die ihr Charakter zum Ausdruck kommt. Intuitiv reagiert Sewcz auf die urbane Umwelt, durch die er sich bewegt. So setzt ein Prozess der Auseinandersetzung ein, auf dessen Weg die Arbeiten reifen.

Mehr …

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Illus. die Künstler

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Virtual Exhibitions: Experimenting with the blog medium

18 07 2010

Deconarch.com startet ein neues Experiment mit dem Medium Blog.

Ich habe mittlerweile schon über viele Künstler und Künstlerinnen berichtet und auf unterschiedliche Ausstellungen hingewiesen, sodass eine kleine Sammlung entstanden ist an spannenden künstlerischen Positionen. Allzu oft verschwinden diese aber im Archiv und rutschen aus dem Blickfeld.

In unregelmäßigen Abständen sollen daher “virtuelle Ausstellungen” zusammengestellt werden, in denen Künstler und ihre Werke, die bei deconarch.com vorgestellt wurden, zu bestimmten Themen und Fragestellungen präsentiert werden. In diesen virtuellen “Sehräumen” werden spannende Begegnungen möglich, die sich realiter so sicher nicht ohne Weiteres finden lassen – Denkanstöße, Entdeckungen und Überraschungen inklusive!

Kommentare, Meinungen, Anregungen sind natürlich sehr willkommen!


Deconarch.com starts a new experiment with the blog medium: I have reported about so many interesting artists and exhibitions so far that it makes a little collection by now. Unfortunately these artistic positions all too often disappear in the archives and thus you lose sight of them.

Thus, at irregular intervals, I will arrange “virtual exhibitions” of artists and their works already presented on deconarch.com, dealing with particular questions and sujets. These virtual “imaginative spaces” offer the possibility of encounters that would not happen just like that in reality – providing you with food for thought, discoveries and surprises!

Comments, advice, suggestions are most welcome, of course!

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Neue Galerie für Architekturfotografie f75 in Stuttgart: Amrei Heyne zeigt Heiner Leiska und Klaus Frahm

14 07 2010

Im Mai hat in Stuttgart die Fotogalerie f75 ihre Türen geöffnet. Die Galerie am zentralen Marienplatz bietet ein Forum für alle, die Architektur und Fotografie im weitesten Sinne miteinander verbinden. Neben regelmäßig wechselnden Fotoausstellungen dient die Galerie als Treffpunkt zur Kommunikation und Diskussion über aktuelle Themen der Architektur und Fotografie.

In May, f75 was opened in Stuttgart: the new photo gallery focuses on architecture and photography. The gallery considers itself as a meeting point and wants to offer a forum for discussion and communication on current questions on architecture and photography.

Initiiert wurde f75 von Fotograf Wilfried Dechau, der sich mit Rüdiger Flöge (Leiter der Stuttgarter vhs- Photogalerie) und Daniel Fuchs (Fotoagentur artur) die kuratorische Arbeit teilt.

Aktuell werden als Beitrag zum “Fotosommer Stuttgart 2010″  von Amrei Heyne die Fotografen Heiner Leiska und Klaus Frahm in der Galerie präsentiert.

© Heiner Leiska

© Heiner Leiska

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Heiner Leiska
Jammerbugten – one mile of a beach

16. Juli bis 12. August 2010

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PR-Text: Heiner Leiska zeigt in seinen Fotografien – entstanden auf einer einzigen Meile Strand der Jammerbugten Küste 2007/8 – die unberührte Schönheit und Vielfalt der Natur. Er schärft unseren Blick für das Wesentliche fernab technischer Sensationen und bietet dem Betrachter ungewöhnliche Aufnahmen der Elemente.

© Klaus Frahm

© Klaus Frahm

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Klaus Frahm

DOM

20. August bis 16. September 2010

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PR-Text: Klaus Frahm fotografierte auf dem Hamburger Dom erstmals 1978/79.  Erst in seinen Schwarz-Weiss-Aufnahmen, ganz ohne Publikum, an Umbau- oder Ruhetagen entstanden,  wird die Trivialität und zugleich Pop-Art des überaus farbenfrohen Spektakels überdeutlich – Träume,  Alltag und Architektur einer faszinierenden Scheinrealität abgebildet.

Info + Illus. courtesy Amrei Heyne

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